Kinesiologie-for-life

Gabriele Hütte

 

 

Kinesiologie mehr als eine Hoffnung?   

Entstehung und Entwicklung der Kinesiologie

Das Wort Kinesiologie stammt von dem griechischen kinesis, was Bewegung bedeutet. In

der Medizin steht Kinesiologie für Untersuchung der Muskeln und Bewegungslehre. Mit

dem Begriff Applied Kinesiology ( angewandte Kinesiologie ) bezeichnete Dr. George

Goodheart das von ihm entwickelte System der diagnostischen und therapeutischen

Anwendung des Muskeltestens in verschiedenen Bereichen der Gesundheitspflege.

Nachdem sich inzwischen aus diesem Ansatz zahlreiche unterschiedliche Richtungen und

Anwendungsgebiete entwickelt haben, hat sich im deutschen Sprachraum die angewandte

Kinesiologie (AK) als eine Art Oberbegriff für alle diese Systeme eingebürgert. ( vgl. Tourelle

u. Courtenay 1998, S. 13 )

Die Muskeln werden in der Kinesiologie nicht, wie in der Physiotherapie, auf Kraft hin

untersucht sondern mit dem Ziel, die Beschaffenheit der Muskelreaktion und der Energie zu

testen, die dem Muskel unmittelbar zur Verfügung steht.   

Energie und energetisch

In der Kinesiologie unterscheiden sich, wie heute schon in vielen Bereichen der

Naturheilkunde, die Begriffe Energie und energetisch. Das Wort Energie meint nicht

aufstehen und loslegen, obwohl gerade das oft aus einer Kinesiologiesitzung resultiert. In

der Kinesiologie bezieht sich das Wort Energie auf die feinstoffliche Energie, auf

Energiesysteme innerhalb und außerhalb des Körpers. Obwohl die moderne Medizin und

die Naturwissenschaften diese Form der Energie lange Zeit ignorierten, wird ihre Existenz

immer mehr akzeptiert. Die Zustimmung beruht zum einen auf der Anerkennung der

Akupunktur in der westlichen Welt und zum anderen auf technologischen Entwicklungen,

wie der Kirlian – Fotografie, die Bilder des feinstofflichen Energiefeldes sichtbar machen

kann und Aussagen über den Gesundheits – und Energiezustand eines Menschen

ermöglicht. ( vgl. Tourelle u. Courtenay 1998, S. 14 )

Die alte Philosophie der chinesischen Medizin behauptet, Gesundheit resultiere aus

Gleichgewicht und Harmonie mit allem, also aus einem optimalen Zustand, in dem es weder

ein Zuwenig noch ein Zuviel gibt. Diese Überzeugung steht im Mittelpunkt der Kinesiologie

und wird heute von vielen alternativen Therapeuten geteilt. Kinesiologie setzt den

Muskeltest ein, um Energieungleichgewichte zu erkennen, das heißt Über- und

Unterenergie, die die Gesundheit und die emotionale Verfassung beeinträchtigen können.

Sie greift dann u.a. auf die Theorien der Akupunktur zurück, um diese Zustände zu

balancieren. Ziel ist also ein Ausgleichen von Dysbalancen.   

Dr. George Goodheart – geistiger Urheber der angewandten Kinesiologie

Dr. George Goodheart gilt als geistiger Urheber der angewandten Kinesiologie. Er selbst

nannte die Entdeckung der AK einen „reinen Glückszufall“. Er war ein Doktor der

Chiropraktik und ein ausgezeichneter Beobachter. Das Wort Chiropraktik bedeutet „das mit

der Hand ausgeübte“. Während seiner Arbeit und seinen Experimenten stelle Dr. Goodheart

fest, dass immer dann, wenn ein Muskel schwach wurde, der korrespondierende Muskel auf

der gegenüberliegenden Seite zur Verspannung tendierte. Korrigierte er allerdings die

Schwäche, ließ auch die Straffheit bzw. der Krampf nach. Bis zu diesem Zeitpunkt ging die

Wissenschaft noch davon aus, dass die Verkrampfung zuerst auftrete und die Schwäche auf

der gegenüberliegenden Seite zur Folge hätte. Diese Entdeckung war revolutionär und

wurde schnell in seinem Kollegenkreis übernommen und verwertet. Sie ist auch der erste

Schritt zum Verständnis des Muskeltests, der in allen Formen der angewandten Kinesiologie

als Indikator verwendet wird. Auf den Muskeltest werde ich später noch ausführlich

eingehen. Dr. Goodheart experimentierte weiter. Es folgte Versuch auf Versuch. Er stellte

Verbindungen her zwischen Muskeln und dem Lymphsystem, Reflexpunkten, Meridianen,

Akupunkturpunkten, fehlerhafter Ernährung, Organen und Organsystemen, zu Drüsen und

ihren Funktionen und nahezu allen Funktionen des Körpers. Auch das Nervensystem hatte

Auswirkungen auf alle bekannten Verbindungen. Der Umkehrschluss ließ sich in der Praxis

ebenfalls belegen: Alle erforschten Einflussgrößen, die miteinander in Verbindung traten

hatten eine Wechselwirkung mit dem Nervensystem. Das ließ enorme Erfolge zu. So waren

beispielsweise körperliche Korrekturen oder Balancen in der Lage, emotionale Themen zu

entstressen und die Balance emotionaler Themen oder Stressoren hatte direkte positive

Auswirkung auf das körperliche Befinden, auf die körperliche Gesundheit. Es war eine

„Technik“ geboren, die emotionale und körperliche Störungen lösen konnte. Der

Anwendungsbereich ist nahezu unbegrenzt, ein ganzheitlicher Ansatz, wie er in der heutigen

Zeit in der alternativen Medizin immer wieder gefordert wird.(vgl. Tourelle u. Courtenay 1998, S. 19 )

Es ist klar ersichtlich, dass die angewandte Kinesiologie nicht einseitig denkt und arbeitet.

Aus den Forschungen Dr. Goodhearts geht deutlich hervor, dass es ein Zusammenspiel

mehrerer Faktoren gibt. Ein Anwender der angewandten Kinesiologie betrachtet die

Gesundheit von drei Gesichtspunkten aus : dem biochemischen, dem strukturellen und dem

emotionalen Gesichtspunkt, die alle aufeinander einwirken und zusammen ein Ganzes

darstellen, die Gesundheitstriade. Bei einem gesunden Menschen müssen alle drei

„funktionieren“, harmonieren und aufeinander eingestimmt sein. Auf Grund ihrer

Beziehungen zu einander ist die tiefere Ursache eines Problems oft nicht das, was auf der

Hand zu liegen scheint.

Der Muskeltest in Verbindung mit anderen kinesiologischen Techniken befähigt den

Anwender herauszufinden, welches der drei Systeme nicht in der Balance ist. Die

kinesiologischen Korrekturen können auf allen drei Gebieten angewandt werden. Die

Wiederherstellung der Balance kann tatsächlich der Schlüssel für größte Veränderungen im

Leben des Menschen sein.

Dr. Goodheart arbeitete später mit mehreren Kollegen zusammen. Sein engster Kollege war

der Chiropraktiker Dr. John Thie, der den erstaunlichen gesundheitlichen Nutzen jedem

zugänglich machen wollte. So stellten er und Dr. Goodheart ein System zusammen, das sie

in einem Buch 1973 veröffentlichten: Touch for health ( berühren für die Gesundheit ). Es

wurde in einer Form präsentiert, dass sie jeder verstehen konnte und anwenden konnte, auch

Menschen ohne medizinische Vorbildung oder manuelles Geschick.

Ein Zitat von Dr. George Goodheart persönlich möchte ich Ihnen gerne vorstellen:

„Wenn wir wirklich sehen und hören und fühlen, dann sehen und hören und fühlen wir die

komplizierte Einfachheit des Menschen und die einfache Kompliziertheit des Menschen.“

( Tourelle u. Courtenay 1998, S. 17 )

Seit der Entstehung der angewandten Kinesiologie im Jahre 1964 und der nachfolgenden

Entwicklung des Touch for health (TFH) in den frühen 70er Jahren hat sich eine Vielzahl

von Richtungen der angewandten Kinesiologie herausgebildet. Alle Richtungen teilen die

Philosophie von der Steigerung der Gesundheit und setzen den Muskeltest ein sowie einige

Sondierungs- und Korrekturverfahren von TFH. Sie verfolgen alle gemeinsam als höchstes

Ziel das Konzept der Gesundheitstriade, die Balance von strukturellen, biochemischen und

mentalen oder emotionalen Aspekten des Menschen. Sie weichen trotz der

Übereinstimmungen voneinander ab; bezogen auf den Anfangspunkt und die Route, die sie

einschlagen. Die bekanntesten Richtungen der AK sind:

PHP/PKP

Edu-K

THREE-IN-ONE-CONCEPT

Biokinesiologie

HypertonX

Gesundheitskinesiologie

Klinische Kinesiologie

Systematische Kinesiologie

Psychokinesiologie

Im Folgenden werde ich die angewandte Kinesiologie nach dem THREE-IN-ONECONCEPT

vorstellen.   

THREE-IN-ONE-CONCEPT

Das THREE-IN-ONE-CONCEPT ( Drei – In – Eins – Konzept ) stellt das Wirken der drei

Bereiche Körper, Geist und Seele, sowie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in den

Mittelpunkt. Begründer dieses Konzeptes sind Daniel Whiteside und Gordon Stokes, die in

empirischer Forschungsarbeit ein umfassendes Programm entwickelt haben. Dabei handelt

es sich um eine Forschungsarbeit, die ausschließlich in der Praxis entstanden ist. Die

wissenschaftliche Nachweisbarkeit des WARUM ist auf Grund des langsamen

Fortschreitens der Gehirnforschung in den letzten Jahren erst teilweise möglich geworden.

So stützt sich diese Arbeit größtenteils nach wie vor auf erfahrene Erfolge, die teilweise

von enormem positiven Ausmaß sind.

Da Sie nun schon eine Weile geduldig gelesen haben, möchte ich Sie gerne zu einigen

Übungen einladen, die auch der Beginn einer jeden THREE – IN – ONE – CONCEPT –

Sitzung sind. Sie werden die „Brain – Buttons“ genannt. Das übersetzt man mit

„Gehirnknöpfe“. Und das dürfen Sie wörtlich nehmen. So, wie ein Knopf ein Licht

anschaltet, so schalten die Gehirnknöpfe das Gehirn an. Wir kommen durch sie zu einer

erhöhten Aufmerksamkeit, zu einer erneuten Wachheit. Das ist an dieser Stelle bestimmt

angebracht. ( vgl. Goldschmidt 1998 Seite 78 )

Stehen Sie in aufrechter, lockerer Haltung.

Spüren Sie die Fläche, die sie trägt.

Spüren sie den Halt, den Ihnen Ihre Füße geben.  

Übung 1

Legen Sie eine Hand auf die Nabelgegend und suchen Sie mit der anderen Hand die Punkte

in den Vertiefungen unter den beiden Schlüsselbeinen. Benutzen Sie für die erste Vertiefung

den Daumen und für die zweite Vertiefung Mittelfinger und Zeigefinger gemeinsam. Nun

reiben Sie die gefundenen Punkte ganz sanft. Die Hand am Nabel bleibt ganz still. Halten

Sie Ihren Kopf geradeaus aber schauen Sie mit den Augen in die Richtung der Hand, die

sich bewegt.

Nun wechseln Sie die Handpositionen und die Blickrichtung.

Jede Hand sollte ungefähr 30 Sekunden massieren.

Übung 2

Lassen Sie eine Hand auf der Nabelgegend liegen und legen Sie den Zeigefinger der

anderen Hand oberhalb der Oberlippe und den Mittelfinger unterhalb der Unterlippe an.

Nun reiben Sie sanft hin und her. Die Hand am Nabel bleibt ganz still. Halten Sie Ihren

Kopf geradeaus aber schauen Sie mit den Augen in die Richtung der Hand, die sich bewegt.

Nun wechseln Sie bitte wieder die Handpositionen und die Blickrichtung.

Auch hier sollte jede Hand ungefähr 30 Sekunden massieren.

Übung 3

Lassen Sie noch einmal eine Hand auf der Nabelgegend liegen und legen Sie die

Handinnenfläche der anderen Hand auf ihr Steißbein und massieren dort sanft mit

kreisenden Bewegungen. Die Hand am Nabel bleibt ganz still. Halten Sie Ihren Kopf

geradeaus aber schauen Sie mit den Augen in die Richtung der Hand, die sich bewegt.

Und nun bitte wieder die Handpositionen und die Blickrichtung wechseln.

Und wieder jeweils ungefähr 30 Sekunden massieren.

Nun dürfen Sie sich wieder setzen.

Diese Übungen sind auch sehr empfehlenswert bei Kindern vor Beginn einer Arbeit in der

Schule, vor den Hausaufgaben oder bei Erwachsenen vor Situationen, die erhöhte

Aufmerksamkeit erfordern, z.B. einer langen Autofahrt oder einfach auch nur dann, wenn

die Konzentrationsfähigkeit einmal nachlassen sollte.

Es gibt sehr viele Übungen für die unterschiedlichsten Erfordernisse. Eine weitere Übung,

die auch in einigen Schulen angewandt wird, ist für das leichte Zuhören. Ich darf Sie noch

einmal einladen: ( vgl. Goldschmidt 1998 Seite 89 )

Sie dürfen jetzt auch sitzen bleiben.

Sitzen Sie mit aufrechtem aber lockerem Rücken. Das ist wichtig, damit die Energie besser

fließen kann.

Fassen Sie so an Ihre Ohrläppchen, dass die Daumen an der Vorderseite der Ohrläppchen

und die übrigen Finger an der Rückseite der Ohrmuschel liegen. Massieren Sie die Ohren

von unten nach oben fest und sorgfältig. Spüren Sie, wie Ihre Ohren ganz warm werden und

stellen Sie sich vor, dass Sie Ihre Ohren „spitzen“ oder „ausfalten“. Machen sie das ca. 5

mal. Es ist gut, wenn Sie die Massage fühlen, es darf aber nicht weh tun. Wenn Sie fertig

sind, atmen Sie einmal tief durch die Nase ein und aus und lassen beim Ausatmen die Ohren

wieder los.

So! Nun sind Sie bereit, einem Vortrag viele Stunden entspannt zu folgen und das

Aufgenommene zu behalten oder andere Konzentrationsleistungen zu erbringen.   

Das Unterbewusstsein - wie funktioniert es?

Zu einem Zeitpunkt im Leben eines Menschen hat dieser Mensch eine Entscheidung

getroffen, die das ganze Leben beeinflusst. Er hat es nicht einmal „gemerkt“, er kann es

bewusst nicht erinnern. Diese Entscheidung ist im Unterbewusstsein gefällt und verankert

worden. Dazu sollte man etwas über unser Unterbewusstsein und seine Funktion wissen.

Wir denken den ganzen Tag viele verschiedene Gedanken, was uns den Eindruck gibt,

„bewusst“ zu sein, „bewusst“ zu handeln. Tatsächlich wird unser Leben jedoch zu 95 %

vom Unterbewusstsein gesteuert. Das klingt sehr viel und scheint nicht nachvollziehbar.

Aber schauen wir uns doch einmal das Beispiel Autofahren an. Irgendwann besuchen wir

die Fahrschule und lernen etwas über die Funktion des Autos, über die Straßenschilder,

Verkehrsregeln und vieles mehr. Während der Zeit des Lernens schauen wir uns jedes

einzelne Verkehrsschild an und erinnern seine Bedeutung. Dabei sind es auch Schilder, die

momentan für unser Vorhaben unbedeutend sind. Da taucht gleich 5 mal hintereinander ein

Halteverbot auf, doch wir wollen gar nicht halten. Wir bemerken es, bewerten es und

wissen, dass es im Moment keine Bedeutung hat. Da ist schon das nächste Schild zu sehen.

Was sagt es aus? Im Laufe der Zeit verändert sich dieses Verhalten. Die Vorgänge laufen

unbewusst ab! Wir müssen uns nicht mehr damit beschäftigen. Unser Unterbewusstsein

erleichtert uns den Umgang mit Bekanntem. Wir haben Raum, um an andere Dinge zu

denken. Das geht so weit, dass wir eine Strecke mit dem PKW zurücklegen und uns nicht

erinnern können, welchen Weg wir gewählt haben. Sogar bekannte Wegstrecken hat das

Unterbewusstsein „gespeichert“ und es erinnert sie bei Bedarf, ohne unser Bewusstsein

damit zu belasten. So geht es mit unzähligen Dingen des Alltags. Müssen Sie nachdenken,

wie man eine Tür öffnet, wie man telefoniert, wie man Buchstaben aneinander reiht, um

Wörter zu bilden, wie man sich an der Kasse eines Supermarktes verhält? Sie sehen schon,

es ist eine lange Reihe von unbewussten Vorgängen, die täglich ablaufen. Dabei ist unser

Bewusstsein so „laut“, dass wir ständig glauben, bewusst zu sein und zu handeln. Das macht

deutlich, dass es wichtig ist, was unser Unterbewusstsein „abgespeichert“ hat. Haben wir

einen Einfluss darauf? Warum tut es uns manchmal nicht gut, was wir unterbewusst

erinnern? Das Unterbewusstsein erinnert auch unsere Gefühle und unseren Stress, den wir

zu der Zeit des Geschehens haben. Das lässt sich sehr gut an einem Beispiel verdeutlichen:

Sie sind zum ersten Mal verliebt. Es ist das schönste Gefühl, das Sie bisher erlebt haben. Sie

tanzen ganz eng aneinandergeschmiegt. Sie tanzen zu einem schönen, gefühlvollen Lied.

Wahrscheinlich kennen Sie es, wenn Sie dann noch Jahre später immer noch die Gefühle

des ersten Verliebtseins spüren, wenn dieses Lied gespielt wird. Allerdings gibt es hier

deutliche Unterschiede zu spüren. Sind sie immer noch verliebt und glücklich, löst die

Musik ein angenehmes Gefühl aus. Befinden Sie sich jedoch augenblicklich in einer

unglücklichen Partnerschaft, ist das Gefühl eher wehmütig, vielleicht sogar schmerzlich.

Im Vorfeld habe ich erwähnt, dass ein Mensch eine Entscheidung getroffen hat, die das

ganze Leben beeinflusst. Er hat es nicht einmal „gemerkt“, er kann es bewusst nicht

erinnern. Diese Entscheidung ist im Unterbewusstsein gefällt und verankert worden. Die

Entscheidung ist hier in diesem Beispiel, traurig oder wehmütig zu sein in Erinnerung an

eine schöne Zeit. An dieser Stelle nehme ich schon einmal vorweg, was kinesiologisch bei

solchen wehmütigen oder schmerzhaften Gefühlen möglich ist. Es erfolgt eine Abkoppelung

des Schmerzes von dem Lied; mit der Folge, dass jede Erinnerung in Verbindung mit dem

Lied neutral ist.

Ein weiteres sehr gut bekanntes Beispiel ist ein Autounfall. Sie fahren über eine Kreuzung

mit der „Rechts – vor – Links – Regelung“ und jemand von links kommend nimmt Ihnen

die Vorfahrt. Es kracht entsetzlich. Vielleicht kennen Sie es, dass Sie nun ständig an dieser

Kreuzung an den Unfall erinnert werden, möglicherweise meiden Sie die Kreuzung sogar

oder rechnen in jeder Vorfahrtssituation mit einem Auto, dass ihnen die Vorfahrt nimmt. Es

ist leicht vorstellbar, dass dieses Erleben eine Beeinträchtigung darstellt und man ist froh

und glücklich, wenn es einen einfachen Weg aus dieser Art des Erlebens gibt, wie ihn z. B.

die Kinesiologe bietet.

Der Mechanismus, der hier wirkt, ist grundsätzlich ein sehr hilfreicher. Es geht um unser

Unterbewusstsein. Gäbe es unser Unterbewusstsein nicht, wären wir mit dem Leben ständig

überfordert und das Lernen wäre unmöglich. Auch hier bietet sich noch einmal das Beispiel

Autofahren an, das die sinnvolle Funktion unseres Unterbewusstseins verdeutlicht:

Stellen Sie sich vor, Sie sind gerade stolzer Besitzer des Führerscheines geworden. Sie

haben in der Theorie gelernt, welche Verkehrsregeln es gibt und welche Bedeutung die

einzelnen Verkehrsschilder haben. In der Praxis wurde Ihnen genau erklärt, wie ein Auto

fährt, welche Gänge in welcher Situation zu benutzen sind und wo die Pedale mit den

entsprechenden Funktionen sind. Nun dürfen Sie das erste Mal alleine starten. Sie starten

den Motor, schnallen sich an und überlegen genau, welcher Gang zum Anfahren

erforderlich ist. Nun kann es losgehen. Schon ist das erste Schild in Sicht „Halteverbot“. Sie

entscheiden, dass dieses Schild jetzt und hier keine Bedeutung für Sie hat, denn Sie wollen

nicht halten. Einige wenige Meter weiter steht das nächste Schild, dessen Bedeutung Sie

kurz bewusst realisieren, um dann fest zu stellen, dass auch dieses momentan nicht von

Bedeutung für Sie ist. Das alles ist ein völlig normaler Lernvorgang des Unterbewusstseins,

das im Laufe der Zeit alle diese Abläufe „gespeichert“ hat: Sichten – Realisieren –

Entscheiden. Nun können diese Abläufe unbewusst stattfinden, d.h. es ist nicht mehr

erforderlich, darüber nachzudenken. Unser Unterbewusstsein erleichtert uns die Vorgänge

und das Lernen. Die Situation wird erkannt und „altes“ Wissen wird beigesteuert. Sie

müssen erst dann bewusst werden, wenn das Auto keine Gangschaltung hat. Diese Situation

ist neu und erfordert wieder ein Nachdenken. Die Lösung, die hier gefunden wird,

„speichert“ das Unterbewustsein dann wieder ab, um es in der Zukunft in ähnlichen

Situationen griffbereit zu haben. So entstehen später Situationen, von denen wir glauben,

wir hätten keinen wirklichen Einfluss auf den Ablauf gehabt.

Dr. Joseph Murphy, der sich besonders mit der Macht des Unterbewusstseins

auseinandergesetzt hat, beschreibt in einem seiner Bücher das folgende Bild, um die

Hauptunterschiede zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein deutlich zu machen: ( vgl.

Murphy 1967 Seite 33 )

Das Bewusstsein spielt etwa die gleiche Rolle, wie der Kapitän auf der Brücke seines

Schiffes. Er bestimmt den Kurs und erteilt den Männern im Maschinenraum die nötigen

Befehle. Diese wiederum warten die Technik und bedienen ihre Instrumente und

Maschinen. Die Besatzung in den Tiefen des Schiffes fragt nicht, wohin die Reise geht. Sie

gehorcht ganz einfach den Befehlen. Wüsste der Mann auf der Brücke nicht mit dem

Kompass dem Sextanten und den anderen Instrumenten der Navigation umzugehen und

träfe er falsche Anordnungen, so würde die Mannschaft blind ins Verderben stürzen. Die

Leute im Maschinenraum gehorchen den Anordnungen des Kapitäns, weil er das

Kommando hat und weil seinen Befehlen unbedingt Folge zu leisten ist. Hier gibt es keine

Diskussionen, der Matrose hat die Befehle einfach auszuführen. Der Kapitän ist Herr seines

Schiffes und alles geschieht nach seinem Willen. Im übertragenen Sinn spielt Ihr

Bewusstsein die Rolle des Kapitäns, der befiehlt, während Ihr Unterbewusstsein, ihr Körper

und alle Belange, die Sie betreffen, dem Schiff gleichzusetzen sind. Ihr Unterbewusstsein

führt nämlich die Befehle aus, die Sie betreffen. Und Ihre Matrosen wissen immer, was in

den bekannten Situationen zu tun ist. Taucht nun eine Situation auf, die den Matrosen nicht

bekannt ist, so wird der Kapitän um Rat gefragt. Zukünftig wissen die Matrosen dann auch

mit diesen Situationen selbständig umzugehen, so dass der Kapitän für diese Situationen

und Situationen, die ihr ähneln, nicht mehr gebraucht wird.

Ganz besonders zeigt sich das Gefühl, keinen Einfluss auf eine Situation gehabt zu haben im

emotionalen Bereich. Es gibt ein Erleben in einer konkreten Situation und es wird

„abgespeichert“. Immer, wenn nun eine ähnliche Situation auftaucht, wird das „alte“

Erleben beigesteuert. Als Beispiel dient uns ein kleines Schulkind, das beim Lesen stockt

und von seinen Mitschülern dafür verlacht wird. Als Erwachsener fällt es ihm schwer, vor

einer Gruppe von Menschen zu lesen oder auch zu sprechen. Er weiß aber nicht, warum es

so ist, weil er bewusst die Situation in der Kindheit nicht mehr erinnert. Aber das

Unterbewusstsein „vergisst“ nie! Das unwohle Gefühl, das schon als Schulkind auftauchte,

ist auch bei dem Erwachsenen wieder da. Es erscheint aussichtslos, etwas dagegen zu

unternehmen. Mühsam werden Übungen durchgeführt, werden Techniken erlernt – das

Gefühl bleibt . Möglicherweise wird das ganze Leben angepasst: Ein Beruf, der keine

Vorträge erfordert, wird gewählt. Das Leben spielt sich immer im Hintergrund ab.

Menschen, die frei vor anderen sprechen, werden bewundert und der Betroffene wird immer

zurückhaltender und sein Selbstbewusstsein schrumpft stetig. Sätze wie „Ich kann das eben

nicht“ und „Ich bin kein Mensch für so etwas“ prägen das Selbstbild, werden zum

unumstößlichen Glaubenssatz Wird nun der Versuch gestartet, mittels neu erlernter

Techniken aus VHS – Kursen o.ä. doch eine Veränderung zu erreichen und einen Vortrag

zu halten, folgen entsprechend dem Glaubenssystem die negativen Erfahrungen wieder.

Leider erhöht eine solche negative Erfahrung die Verlässlichkeit des Glaubenssatzes noch :

„Ich habe es ja gleich gewusst, dass das nichts wird.“ Das Glaubenssystem ist bestärkt und

führt zur endgültigen Resignation.   

Aussichtslos? Hoffnungslos?

So aussichtslos und hoffnungslos dieses Bild auch scheint, es gibt einen Weg mit Hilfe der

Kinesiologie. Genau an diesem Punkt setzt die Arbeit an. In einer Einzelsitzung wird

zunächst das Problem geschildert : „Ich kann nicht vor einer Gruppe von Menschen

sprechen.“ Die Gefühle, die damit zusammenhängen, werden von dem Klienten geschildert.

Dann wird das Alter der Ursache mit Hilfe des Muskeltests ermittelt und der Stress wird

genau in diesem Alter abgelöst, es wird eine Balance durchgeführt. Dass die Balance im

Alter der Ursache erfolgt, hat einen Grund und genau hier liegt ein entscheidender

Unterschied zur Kinesiologieanwendung „Touch-For-Health“ : Entstresst der Klient in der

Gegenwart die belastenden Situation mittels diverser kinesiologischer Korrekturtechniken,

erfährt er Hilfe in genau dieser einen Situation, muss aber vor jeder weiteren ähnlich

gelagerten Situation erneut entstresst werden. Eine Balance an der Quelle, im Alter der

Ursache, führt zu einer dauerhaft anhaltenden Balance in allen folgenden bis dahin

stressenden Situationen und in allen ähnlich gelagerten Situationen ebenfalls. Hier finden

wir die Bedeutung des THREE-IN-ONE-CONCEPT bezüglich der Triade Vergangenheit,

Gegenwart und Zukunft. Es ist erstaunlich, welche großartige Ergebnisse erzielt werden.   

Anwendungsbereiche

In welchen Situationen kann man Kinesiologie sinnvoll anwenden?

Bei welchen Problemen hilft Kinesiologie?

Die Fragen an dieser Stelle kann man sicherlich noch beliebig erweitern. Die Antwort der

Kinesiologie : Man kann Kinesiologie in allen Situationen und bei jedem Problem sinnvoll

anwenden. Als wir eingangs über die Gesundheitstirade gesprochen haben, ist es schon klar

und deutlich zum Ausdruck gekommen, dass auf Grund sämtlicher Wechselwirkungen, eine

Einflussnahme in jedem Bereich möglich ist. Doch was heißt das für die Praxis? Gibt es

Grenzen? Nein, die gibt es nicht. Ich habe wegen der großen Nachfrage von Klienten einmal

eine beispielhafte Zusammenfassung möglicher Problematiken gefertigt und meinem Flyer

beigefügt.   

Der Muskeltest

Nun stellt sich die Frage, wie finden wir das Alter der Ursache, wenn der Klient sich nicht

mehr bewusst erinnert? Woher weiß der Klient, welche Situation genau ihn zu seinem

Problem gebracht hat? Wie bereits an einer früheren Stelle erwähnt, „erinnert“ das

Unterbewusstsein alles. Bleibt die Frage: Wie erfahre ich, was mein Unterbewusstsein

erinnert? Und wir sind beim Thema Muskeltest angelangt. Es ist sein sehr komplexes

Thema und bietet unzählige Einsatz- und Anwendungsmöglichkeiten. Er ist der einzige

bekannte Weg, das Glaubenssystem zu umgehen und zur eigenen inneren Wahrheit zu

gelangen. Er liefert uns ein absolut erstaunliches Körper – Gehirn – Feedback und die

Möglichkeit, unbewusste Vorgänge ins Bewusstsein zu bringen. Der Muskeltest bringt

direkten Kontakt zu allen Ebenen der Selbsterkenntnis. Er zeigt ganz klar, dass jeder

einzelne selbst die einzige Quelle für Informationen über die eigene individuelle

Lebenserfahrung ist. Außerdem geht die Kinesiologie davon aus, dass jeder Mensch genau

weiß, was für ihn gut und was für ihn schlecht ist. Und warum fragen wir dann nicht einfach

verbal? Eine direkte und ehrliche Frage garantiert noch keine direkte und ehrliche Antwort.

Bewusste Antworten sprechen nicht von den Wahrheiten, die wir verleugnet und ins

Unterbewusstsein verdrängt haben. Wir beschränken uns dadurch, dass wir „aussuchen“,

woran wir uns erinnern wollen und wie wir uns daran erinnern wollen. Wir „planen“ unsere

bewussten Antworten entsprechend unserem Glaubenssystem, in dem wir z.B. sagen :“ Ich

kann das nicht, weil ich kein Mensch dafür bin.“ Eine wahrhaft direkte und ehrliche

Antwort muss beides enthalten, sowohl das, was das bewusste Denken jetzt gerade glaubt,

als auch das, was das unbewusste Denken auf Grund von vergangener Angst, Schmerz und

Angst vor Schmerz verleugnet. Eine direkte und ehrliche Antwort muss die gesamte

Lebenserfahrung von der Empfängnis bis zum heutigen Tag enthalten. ( vgl. Stokes u.

Whiteside1999 Seite 17 )

Unsere Glaubenssysteme beherrschen das Bewusstsein. Sie beruhen darauf, perfekt sein zu

müssen und Leistung bringen zu müssen. Was wir glauben wollen ist möglicherweise nicht

das, was wir wirklich glauben. Was geschieht nun, wenn die bewussten Überzeugungen im

direkten Gegensatz zu der wesentlich stärkeren Unterbewussten Realität stehen?

Wir könnten beispielsweise auf der bewussten Ebene der Erkenntnis „glauben“ :“Ich bin ein

guter Mensch.“ Trotzdem, unter dieser bewussten Überzeugung könnte die unterbewusste

Überzeugung liegen, dass „ich ein guter Mensch sein muss, um akzeptiert zu werden,“ oder

„weil niemand mich mögen würde, wenn er mein wahres Ich kennen würde.“

Ein anderes Beispiel ist die bewusste Überzeugung, dass „ich hart arbeite, um erfolgreich zu

sein.“ Was geschieht, wenn das Unterbewusstsein sagt :“Mit mir ist nichts anzufangen.“

oder „Die ganze Welt ist gegen mich.“ oder „Geld ist schmutzig.“ oder „Ich bin wie mein

Vater, der hatte auch nie Geld.“ ? Was geschieht, wenn das bewusste und unterbewusste

Denken einen solchen Konflikt haben? Es führt zu Selbstsabotage, Unentschlossenheit,

Versagen, Verwirrung und vielem anderen. Aus diesem Grund können wir uns wohl

bewusst über ein Thema im Klaren sein und trotzdem ändert sich nichts zum Guten.

Der Muskeltest beschäftigt sich mit allen Ebenen der Erkenntnis. Er erlaubt es uns,

diejenigen unterdrückten, negativen, dem Bewusstsein nicht zugänglichen Emotionen zu

identifizieren.   

Der Selbsttest

Nun möchte ich Sie einladen, einmal zur Verdeutlichung einen „Selbsttest“ durchzuführen:

Der Muskeltest ist ein einmaliges Arbeitsinstrument für den Therapeuten wie für den Laien,

jeder Mensch hat Muskeln.

Und so können Sie selbst testen:

- Setzen Sie sich auf die Vorderkante eines Stuhles mit beiden Füßen auf dem Boden.

- Legen Sie eine Hand auf den rechten Oberschenkel.

- Denken Sie kurz an eine Person, die Sie mögen.

- Heben Sie nun das rechte Bein hoch, während Ihre Hand auf dem Oberschenkel liegt.

- Drücken Sie nun für drei Sekunden mit der Hand Ihr Bein langsam hinunter, während Sie

gleichzeitig mit der Beinmuskulatur dagegen drücken.

Ergebnis: Sie können das Bein nicht hinunterdrücken, da der Oberschenkelmuskel so stark

ist, dass er selbst der Kraft mehrerer Personen widerstehen könnte. Der Muskel leistet

Widerstand, sobald zu drücken begonnen wird. Er ist “eingeschaltet”.

- Nun setzen Sie sich bitte wieder in die Ausgangsposition wie eben beschrieben.

- Denken Sie kurz an eine Person, die Ihnen in schlechter Erinnerung ist.

- Drücken Sie nun für drei Sekunden mit der Hand Ihr Bein langsam hinunter, während Sie

gleichzeitig mit der Beinmuskulatur dagegen drücken.

Ergebnis: Sie können das Bein relativ leicht hinunter drücken und bemerken keinen großen

Widerstand. Ein subjektiver Eindruck ist auch, dass Sie glauben jetzt stärker zu drücken,

was allerdings nicht stimmt. Der Muskel ist “ausgeschaltet”.

Wiederholungen dieser Tests werden immer das gleiche Resultat zeigen:

Positive Gedanken = starker Muskel - negative Gedanken = schwacher Muskel

So einfach wie dieser Muskeltest funktioniert, so genial und umfassend ist er deshalb auch

in seinem Anwendungsspektrum. Er kann für sehr viele Fragen benutzt werden, wie zum

Beispiel:

- Ist eine Angst vorhanden? Welche genau und wie ist diese aufzulösen?

- Ist eine Sucht vorhanden und kann diese aufgelöst werden und wie?

- Ist ein seelisches Problem vorhanden? Welches, von wann und wie kann es aufgelöst werden?

- Ist man gegen einen Stoff allergisch und kann man diese allergische Reaktion auflösen?

- Ist bestimmtes Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch etc. gut für mich oder nicht?

- Ist eine bestimmte Person (Chef, Angestellter, Verkäufer, etc.) in Ordnung für mich? Was

kann ich tun, um mich mit der Person wohl zu fühlen?

- Ist dieses Putzmittel, diese Farbe etc. gut für mich?

Jeder Mensch kann diesen Muskeltest schnell erlernen und in wenigen Tagen beherrschen.

Wird der Test konsequent benutzt, entwickelt der Anwender in wenigen Wochen eine

verblüffende Sensibilität für Fragen und Antworten.   

Manches ist nicht so einfach, wie es scheint!

Manches ist nicht so einfach, wie es scheint. So ist es auch hier. An dieser Stelle möchte ich

eine Art verbales Ausrufungszeichen setzen. Führen Sie derartige Tests bitte vorbehaltlich

durch. Es ist durchaus möglich, dass uns ein Test einen „Streich“ spielt. Das kommt häufig

bei zu starken Energien, Blockaden und Überladungen vor. Das kann dazu führen, dass sich

das Ergebnis des Muskeltests umkehrt, so dass die Antworten genau verkehrt herum

anzeigen. Nun ist es dem Laien nicht möglich festzustellen, ob er die erhaltene Antwort

wörtlich nehmen kann oder ob er sie umkehren muss. Ein erfahrener Kinesiologe hat

Möglichkeiten, das herauszufinden und wieder in die Bahn einer verlässlichen Antwort zu

lenken. Der Selbsttest ist hier nur zur Verdeutlichung des Geschehens gedacht und kann bei

relativ „unbedeutenden“ Fragen von Laien angewendet werden.  

Deltoideus anterior der optimale Muskel

In einer kinesiologischen Sitzung wird hauptsächlich ein kleiner, nicht sehr kräftiger Muskel

getestet, so dass der Druck durch den Anwender ganz sanft erfolgt und vom Getesteten

kaum wahrgenommen wird. So ist es möglich, auch in einer Sitzung, die über eine längere

Zeit dauert, entspannt zu arbeiten. Der Muskel ist der Deltoideus anterior und befindet sich

am Oberarm. Sie können das auf dem Bild hier wunderbar erkennen. Der Getestete hält

dabei seinen Arm etwa 30 Grad gerade nach vorne oben. Der Druck erfolgt dabei ganz sanft

und leicht oberhalb des Handgelenks.

Es stehen dem Anwender noch viele andere Muskeln zur Verfügung, die sich zum Test

anbieten und auch noch diverse andere Verfahren. Darauf gehe ich nun nicht weiter ein, da

es zu weit führen würde. Es ist aber wichtig zu wissen, dass es keine Ausschließlichkeit gibt

und dass Sie schon einmal von anderen Möglichkeiten gehört haben, falls Sie Ihnen

irgendwo einmal begegnen.   

Eine Einzelsitzung

Nun stellen Sie sich vielleicht die Frage, was denn in einer Einzelsitzung geschieht. Viele

Menschen sind sehr vertrauensvoll oder neugierig und lassen sich auf das „Abenteuer“ ein.

Sie vertrauen darauf, dass es schon gut ist, was geschieht. Es gibt aber auch Menschen, die

eher ein wenig verängstigt sind, wenn sie sich auf etwas Neues oder Fremdes einlassen.

Darum halte ich es für sehr wichtig, Ihnen den Ablauf einer Sitzung etwas näher zu bringen.

Der genaue Ablauf ist nicht schilderbar, weil nie eine Sitzung wie eine andere ist. So

einzigartig, wie jeder einzelne Mensch ist, so einzigartig ist auch der Ablauf des

Geschehens. Es geht darum, jedem Klienten genau das zu geben, was er benötigt und das

ist nun mal je nach Mensch, nach Persönlichkeit, Lebenssituation und Stabilität

unterschiedlich. Darin drückt sich die ganze Achtung der Kinesiologie und ihrer Anwender

vor jedem Einzelnen und seiner ganz speziellen Art und Weise aus.

Wie finden wir nun heraus, was der Klient benötigt und wie er es benötigt. Wenn Sie sich an

die Ausführungen zum Muskeltest erinnern, dann ist es für Sie gewiss vorstellbar, dass der

Muskeltest hier das Optimum darstellt. Niemand, wirklich niemand, weiß so genau was

jemand benötigt und wie es zu geschehen hat, wie jeder einzelnen Mensch selber. In der

kinesiologischen Arbeit ist es von allergrößter Bedeutung, jedem Menschen Hilfe zur

Selbsthilfe zu sein und den Klienten zu seiner eigenen Empfindung und Intelligenz zurück

zu verhelfen. Es kann nicht Sinn oder Ziel sein, einem hilfesuchenden Menschen das

Wissen der Kinesiologie „überzustülpen“, indem der Anwender entscheidet, was gut für den

Klienten ist. Natürlich ist das Wissen der Kinesiologie bei dem Anwender vorhanden und er

hat die theoretische Möglichkeit einer Entscheidung, allerdings würde er dieses Wissen aus

seinem ureigenen Glaubenssystem anwenden und das kann nur auf ihn selber zutreffen. Auf

niemanden sonst. Ich denke, hier wird deutlich, wie respektvoll diese Arbeit ist. Der Klient

ist Mittelpunkt des gesamten Geschehens. Es geht nur um ihn und sein Wohlbefinden und

um seine innere geistige und emotionale Intelligenz. Jeder Vorschlag, ein gewisses Handeln

zukünftig vorzunehmen, bedeutet, dass ihm nicht seine eigene Intelligenz und

Verantwortlichkeit für sein eigenes Leben zugetraut wird und das ist eine Anmaßung.

Natürlich weiß ein Hilfesuchender oft nicht, was genau in dieser Situation gut ist, jedoch

beschränkt es sich hier lediglich auf sein bewusstes Wissen. Sein unterbewusstes Wissen

weiß sehr wohl eine Lösung. Ziel ist es nun, dieses unterbewusste Wissen zu erreichen. Das

geschieht wieder mittels des Muskeltests, so dass der Anwender hier eher als eine Art

„Dolmetscher“ arbeitet. Der Klient bleibt in jeder Sekunde in seiner Eigenverantwortung

und kann eine bewusste Entscheidung gegen alles treffen, was ihm sein Unterbewusstsein

offenbart. Er behält die Kontrolle.

Nun gibt es bestimmte Grundkonzepte, die wichtiger Bestandteil einer jeden Sitzung sind.

Auf diese gehe ich im Folgenden ein:   

Das Sitzungsthema

Der Klient erzählt zunächst alles, was ihn dazu bewogen hat, eine kinesiologische Sitzung

durchführen zu lassen. Er erhält darauf weder eine Analyse noch eine Einschätzung,

sondern wird getestet, welcher von allen genannten Punkten heute bearbeitet werden darf

und welcher Punkt die Priorität hat. Priorität kann hier verschiedenes meinen: Welcher

Punkt bringt heute den größten Erfolg? Welcher Punkt ist heute am wichtigsten?

Möglicherweise steht ja in naher Zukunft etwas bevor, was heute noch so stressbeladen ist,

dass es unmöglich erscheint, damit umzugehen. Es kann aber auch die Frage bedeuten,

welches Thema ist Grundlage für die meisten der genannten Probleme. Nur das Unbewusste

des Klienten weiß, was als erstes und am dringlichsten zu tun ist. Darum auch hier :

Muskeltest!   

Das Ziel

Ist nun das genaue Thema, an dem gearbeitet werde soll, identifiziert, geht es an die

Zielvorstellung, die der Klient verbal kurz und prägnant und positiv formuliert schildert.

Obwohl es hier eine verbale Abfrage gibt, wird per Muskeltest die Übereinstimmung mit

dem Unterbewusstsein überprüft. Nur bei Stimmigkeit wird weiter gearbeitet. Liegt keine

Stimmigkeit vor, muss die Zielformulierung überdacht werden. Eine positive Formulierung

kann nicht sein : „Ich will nicht mehr ängstlich sein.“ Das Unterbewusstsein kennt das Wort

„nicht“ nicht. Es denkt in Bildern. Das Bild, welches hier beim Unterbewusstsein auftaucht

ist „ängstlich sein“. Und es werden alle Energien mobilisiert, sich ängstlich zu fühlen. Das

Unterbewusstsein folgt aufs Wort! Die Frage ist, wie es sich anfühlt nicht ängstlich zu sein.

Das ist individuell verschieden. Es kann bedeuten, sich sicher zu fühlen, leicht und frei oder

auch entspannt und vieles mehr. Eben individuell!   

 

Die Erlaubnis

Als nächstes folgt ein ganz enorm wichtiger Punkt : Die Erlaubnis ! Per Muskeltest wird

erfragt, ob die Erlaubnis besteht, an dem Thema zu arbeiten und ob es sanft und liebevoll

gelöst werden darf. Es kann vorkommen, dass der Zeitpunkt, um an dem Thema zu arbeiten

noch nicht der richtige ist, obwohl der Klient vom bewussten Verstand glaubt, der Zeitpunkt

sei in Ordnung. Das stressauslösende Thema im Hintergrund kann zu dem Zeitpunkt

emotional noch zu belastend sein oder ein anderes Thema kann Vorrang haben, das dem

Klienten noch nicht bewusst ist. Es gibt auch noch andere Möglichkeiten, die die Erlaubnis

verweigern, die aber zu speziell sind, um im Einzelnen darauf einzugehen. Es ist jedoch

nicht weiter tragisch, wenn die Erlaubnis nicht vorliegt, da in der Kinesiologie

Möglichkeiten bestehen, durch bestimmte Balancen, die Erlaubnis zu erhalten. Es ist nur

wichtig, die hemmenden Aspekte zu identifizieren und zu beachten.

Es wird jedoch nicht nur um Erlaubnis zur Arbeit gefragt. Die Erlaubnis ist ein Kernstück

einer Sitzung. Immer wieder im Verlauf der kompletten Sitzung wird um Erlaubnis gefragt,

ob das, was getan werden soll, an dieser Stelle auch zugelassen werden kann. Auch hier

wird wieder deutlich, dass nur der Klient im Mittelpunkt des ganzen Geschehens steht. Er

ist Maßstab von allem, was geschieht. Ohne Erlaubnis wird nicht gearbeitet! Auch, wenn

auf der bewussten Ebene der Klient glaubt, er würde die Erlaubnis erteilen, wird die

unbewusste Ebene um Erlaubnis gefragt.   

Die Altersrückführung

Mit Erlaubnis wird das Alter ausgetestet, in dem balanciert wird. Dabei kann es sich um das

Alter der Ursache handeln, um das Alter des besten Verstehens oder auch um einige andere

Altersstufen, die ich nur der Vollständigkeit halber erwähne. Auch hier würde es zu

umfangreich, alles im einzelnen zu beschreiben. Die wichtigsten und häufigsten Alterstufen

sind die erwähnten „Alter der Ursache“ und „Alter des besten Verstehens“. Anhand von

verschiedenen Informationen (selbstverständlich ausgetestet!) erinnert der Klient

Situationen, die Ähnlichkeit mit der Problematik der Gegenwart aufweisen. Es kann eine

Verbindung und ein Verständnis dafür ausgelöst werden. In diesem Alter erfolgt dann eine

ausgetestete Balance, die mit ihrer Nachhaltigkeit über die Gegenwart hinweg bis in die

Zukunft wirkt.   

Die Balance

Im Alter der Ursache erfolgt nun eine energetische Balance. Diese sind z.T. auch aus

anderen als wirksam bekannten Modellen entnommen. Es gibt z.B. Balancen aus dem NLP

(Neurolinguistisches Programmieren) und aus der Akupunktur oder Akupressur. Hier

werden kleine Übungen ausgeführt, bestimmte Punkte berührt, imaginäre Bilder gezeichnet

und vieles mehr. Es steht eine Vielzahl an Balancemöglichkeiten zur Verfügung und auch

hier wird, wie immer, getestet, welche Balance an dieser Stelle für den Betroffenen die

individuell genau richtige und optimale ist. Das kann je nach Situation und Verfassung

völlig unterschiedlich sein.

Manchmal werde ich gefragt, wie diese Balancen wirken und dann verwende ich ein Bild,

das sehr aussagekräftig ist und mir ein Klient einmal aus seiner eigenen Erfahrung mit

dieser Arbeit geschildert hat:

Wir stellen uns vor, dass wir einen Brief auf dem Computer schreiben. Wir speichern ihn ab

unter „Brief1“. Immer, wenn wir die Datei „Brief1“ aufrufen, erscheint der gleiche Brief.

immer. Nun wollen wir das heute aber nicht mehr, weil er heute nicht mehr zutreffend ist.

Was können wir tun? Wir überschreiben den Brief und speichern ihn erneut ab unter

„Brief1“. Was gescheht nun, wenn wir die Datei „Brief1“ wieder aufrufen? Es erscheint der

neue Brief; der Brief, der heute für uns zutreffend ist. Ähnlich ist es mit den alten Gefühlen,

die ständig den aktuellen Erlebnissen vom Unterbewusstsein beigesteuert werden. Sie sind

nicht mehr zutreffend. Sie gehören in eine andere Zeit zu einer anderen Situation und waren

dort mit Sicherheit erforderlich und hilfreich. Heute sind sie in der aktuellen Lebenssituation

nicht mehr zutreffend und dürfen aus diesem Grund „überschrieben“ werden wie unser

„Brief1“.

Ein weiteres Beispiel wurde mir in meiner Arbeit von einem anderen Klienten geliefert, das

ich auch gerne hier anführen möchte, weil ich glaube, dass keine Theorie zu einem so

großen Verständnis führen kann, wie die Erzählung eines Betroffenen aus seiner Erfahrung:

Wir haben einen elektrischen Schaltkasten mit vielen verschieden farbigen Lichtern und

Knöpfen. Immer, wenn wir auf den roten Knopf drücken leuchtet ein gelbes Licht auf. Es ist

immer so. Nun wollen wir aber, dass ein grünes Licht leuchtet, wenn wir auf den roten

Knopf drücken. Was können wir tun? Wir trennen die alte Verbindung zwischen rotem

Knopf und gelber Lampe ab und stellen die Verbindung zwischen rotem Knopf und grüner

Lampe her. Was geschieht? Immer, wenn wir den roten Knopf drücken, leuchtet das grüne

Licht.

Nun ist der wichtigste Teil der Arbeit bereits erledigt und wir gehen zurück in die

Gegenwart.   

Die Gegenwart

Zurück in der Gegenwart, darf nun der entstresste Zustand eintreten. Es wird nachgetestet,

ob alles erfolgreich in seiner Wirkung ist und ob an dem Thema noch weiter gearbeitet

werden soll. Sollte eine weitere Sitzung erforderlich sein, wird ausgetestet, wann frühestens

diese Sitzung erfolgen darf.   

Was gibt es noch in einer Einzelsitzung?

Das war im wesentlichen ein grober Einblick über den Ablauf einer kinesiologischen

Einzelberatung nach dem THREE – IN – ONE – CONCEPT.

Wie man sich denken kann, verläuft nie eine Sitzung wie die andere. Jede Sitzung ist so

individuell, wie der Klient und wie sein Thema. Ebenso individuell sind auch seine

Bedürfnisse und ist die Arbeit mit dem Einzelnen.

Ich habe im Vorangegangenen nur die wesentlichen Teile einer Einzelberatungssitzung

zusammengefasst. Die komplette Arbeit geht noch ein großen Stück darüber hinaus. Es

werden z.B. Techniken angewandt, die eine Vertiefung und Verfestigung des Ganzen

erreichen. Teilweise gibt es „Hausaufgaben“. Das sind Texte und Übungen, die der Klient

zu Hause ausführt (selbstverständlich ausgetestet). Es gibt eine Vielzahl von Informationen

in Form von Texten, die der Klient bezogen auf sich und sein ganz spezielles Thema

ausgetestet bekommt, so dass es möglich wird, auch mit dem bewussten Verstand

nachzuvollziehen, wodurch die Problematik entstanden ist und wie sie bewältigt werden

kann.   

Das Ende ?

Sie haben eine Bild von der Kinesiologie erhalten, wissen von der Entstehung und ihren

Begründern und über einzelne Richtungen Bescheid. Der Ablauf einer Sitzung ist Ihnen

möglicherweise etwas näher gerückt. Vielleicht haben Sie sogar etwas Scheu zurücklassen

können. Wir haben gemeinsam einige Übungen gemacht, die Ihnen hier geholfen haben und

die Sie auch in Ihrem weiteren Leben verwenden können und an Interessierte weitergeben

können.

Wir sind nun am Ende angelangt. Doch ist es nur das Ende des Textes. Ich hoffe, dass es für

viele von uns ein Anfang ist: Ein Anfang in ein neues Erleben und in ein Wohlfühlen. Sie

sind nun in der Lage, abzuschätzen, ob die Kinesiologie für Sie eine Möglichkeit zur Hilfe

aus den verschiedensten Situationen ist.

An dieser Stelle möchte ich Ihnen noch eine Geschichte zum Nachdenken mit auf den Weg

geben, die mir einmal im Internet begegnet ist und deren Herkunft ich nicht kenne:

Eine kleine alte Frau saß zusammengekauert am Wegesrand und weinte bitterlich. Sie hatte

strähniges Haar, zerlumpte Kleider auf dem Leib und es ging ihr sehr schlecht. Eine andere

Frau kam fröhlich des Weges gehüpft und bemerkte die kleine alte Frau sofort. Sie fragte:

“Wer bist Du?“ „Ich ?........ Ich bin die Traurigkeit.“ „Ach so, und warum sitzt Du hier mit

so zerknittertem Gesicht?“ „Weißt Du, die Menschen mögen mich nicht, sie laufen weg vor

mir, sie schreien und weinen, wenn sie mich sehen. Dabei will ich ihnen doch nur helfen.

Verstehst Du das?“ „Aber natürlich verstehe ich Dich, ich will Dich sogar ein wenig

begleiten und dir zur Seite stehen.“ „Was?.... Du läufst vor mir nicht weg? Du musst doch

böse werden und grüngiftig gucken und dann so schnell Du kannst weglaufen, denn ich

bringe doch die Traurigkeit.“ „Ja, Du bringst die Traurigkeit und verhilfst den Menschen,

die Dich hereinlassen zu Reife und Einsicht.“ „Du verstehst mich, mit Dir will ich ein Stück

meines Weges teilen, aber sag, wer bist denn Du?“ „Ich?.......Ich bin die HOFFNUNG !“

Vielleicht darf die Kinesiologie Ihre Hoffnung sein?

Vielen Dank.